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Januar 2021 – Viel Lärm um den Short Squeeze – Kommentar des Fondsmanagers Systematic

12 Februar 2021

Emmanuel Hauptmann

Neue Akteure an der Börse

Die großzügigen Liquiditätsspritzen der Zentralbanken, die den Wert von Finanzanlagen in die Höhe trieben, und staatliche Anreize in Form von Soforthilfe-Schecks haben in den USA in den vergangenen zwölf Monaten zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens von Privatanlegern beigetragen.
Das Wachstum des Handelsvolumen durch Privatanleger scheint große spekulative Aufwärtsbewegungen bei zahlreichen Aktien bewirkt zu haben und ist für das Long- und Short-Segment nun eine Quelle neuer Marktrisiken.

Präzedenzfall Tesla

Der erste große „Short Squeeze“, der wahrscheinlich mit erheblichen Zuflüssen von Privatanlegern zusammenhängt, begann bereits vor dem jüngsten coranabedingten Investitionsschub, als Tesla als gerade aufstrebendes thematisches Unternehmen in den Bereichen disruptive Innovation, autonomes Fahren und Elektrofahrzeuge identifiziert wurde. Als Vorreiter im Bereich Elektrofahrzeuge und angesichts des aktuell erwünschten Übergangs zu emissionsärmeren Fahrzeugen war es nur natürlich, dass die Tesla-Aktie in den vergangenen zwei Jahren einen historisch starken Anstieg verzeichnete. Weniger natürlich hingegen ist das Bewertungsniveau, auf dem die Aktie derzeit gehandelt wird, wobei Privatanleger zu dem unglaublichen Aufwärtstrend und dem Short Squeeze der Aktie beitragen (der Aktienkurs hat sich mehr als verzwanzigfacht, während die Leerverkäufe von mehr als 200 Mio. im Mai 2019 auf 56 Mio. Mitte Januar sanken).

Die sozialen Netzwerke waren sich einig, dass dieser „Short Squeeze“ von Tesla der erste Sieg war, den Privatanleger gegenüber Hedgefonds erzielten. Wir konnten dort wahrscheinlich dem Ursprung einer gezielten Short-Interest-Philosophie beiwohnen, die erst in den letzten Monaten verstärkt am US-Markt aufkam.

Der GameStop-Squeeze

Das im Januar beobachtete Geschehen rund um GameStop ist wohl die bisher extremste Veranschaulichung der Bedrohung, die die aktuellen Entwicklungen für funktionierende Aktienmärkte darstellen. Anleger bescherten GameStop in den letzten Monaten beachtliche Zuflüsse, nachdem die sozialen Netzwerke das extrem hohe Short-Interest-Niveau hervorhoben (teilweise mehr als 140% des Float). Es folgten große koordinierte Aktienkäufe, wodurch der Kurs von 4 USD Ende Juli 2020 auf 483 USD (untertägig) am 28. Januar anstieg. Andere US-Aktien mit hohem Short Interest, die scheinbar ähnlich ins Visier genommen wurden und in den letzten Wochen ein beträchtliches Handelsvolumen und große Kursgewinne aufwiesen, waren AMC Entertainment, Naked Brand Group, Nokia, Bed Bath & Beyond und BlackBerry.

Allseitiger Schuldenabbau

Dieses Umfeld hat zu gigantischen Verlusten bei einigen konzentrierten Hedgefondsmanagern, zum zwangsweisen Schuldenabbau einiger Marktteilnehmer und zu einer starken Verringerung des Engagements von Long/Short-Aktienfonds weltweit geführt.

In einem Umfeld historisch hoher wirtschaftlicher Unsicherheit und angesichts von Aktienbewertungen, wie wir sie seit der Technochlogieblase der 90er-Jahre nicht mehr gesehen haben, sind wir wahrscheinlich gerade Zeuge einer Beinahe-Kapitulation des Marktes vor der Leerverkaufsstrategie. Die jüngste Risikobereitschaft, bedingt durch die Impfstoffe und die Turbulenzen im Januar, hat zu einem historisch niedrigen Short-Interest-Niveau in den USA und weltweit geführt, nachdem sich Titel mit hohem Short Interest stark überdurchschnittlich entwickelten.

Quelle: RAM AI, Markit, Stand: Ende Januar 2021

Short Squeezes in Europa

Die jüngsten Marktextreme in den USA wirkten sich auch auf europäische Aktien aus: Zahlreiche Aktien mit hohem Short Interest (darunter eine wachsende Zahl von Zombie-Unternehmen) erzielten in den letzten Monaten eine deutliche Outperformance.
Betrachtet man die 10% der am meisten geshorteten Unternehmen innerhalb des MSCI Europe, so übertrafen diese Aktien im Januar den Markt um mehr als 3% und seit November sogar um 14%. In Bezug auf die relative Performance im Vergleich zu anderen Unternehmen im MSCI EU liegen sie wieder auf dem Niveau von Mitte 2012, dem Jahr nach der letzten europäischen Rezession.

Quelle: RAM AI, Markit, Stand: Ende Januar 2021


Aktueller Stand der marktneutralen Strategien von RAM

Die marktneutralen Strategien von RAM European und Global erwiesen sich im vergangenen Monat als robust, da die negative Performance aus dem Verkauf einiger Titel mit deutlichen Kursanstiegen durch positive Beiträge in den übrigen Long- und Short-Segmenten trotz der Marktvolatilität der letzten Woche ausgeglichen wurde. Die Titel mit hohem Short Interest, die uns vergangene Woche am teuersten zu stehen kamen, entwickelten sich am Freitag bereits wieder zu unseren Gunsten, und beide Fonds liegen im Monatsvergleich weiterhin deutlich im Plus (über 2%).

Unsere marktneutralen Strategien entwickelten sich im vergangenen Monat gut. Dies war zum einen der umfassenden Diversifikation des Short-Segments (hunderte Titel) gegenüber konzentrierteren diskretionären Ansätzen zu verdanken, und zum anderen unserer Ausrichtung im Short-Segment, die Aktien mit dem höchsten Short Interest und den höchsten Leihkosten nicht zu shorten. Ein hohes Short-Interest-Niveau macht die Leihe von Aktien nicht nur teuer, sondern führt tendenziell auch zu einer sehr volatilen zukünftigen Performance, sodass sich diese Titel oft nicht für unsere Short-Auswahl eignen.
Abschließend sei erwähnt, dass das Bruttoengagement der Fonds in der vergangenen Woche nicht aktiv reduziert wurde.

 

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