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November 2019 – VIX erwacht aus seiner Starre, während Value sein Comeback feiert – Kommentar des Fondsmanagers Systematic

6 Dezember 2019

Emmanuel Hauptmann

Der VIX, auch als „Angstbarometer“ für die Aktienvolatilität bezeichnet, sorgte im Berichtsmonat für Schlagzeilen, da er auf Rekordtiefs sank. Gleichzeitig stiegen Aktien in den USA und Europa angesichts historisch niedriger Zinsen auf neue Rekordstände. Das Angstbarometer liegt nach wie vor deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt, nachdem es bei 11,30 den niedrigsten Schlussstand seit August verzeichnete. Dieser Rückgang signalisiert unseres Erachtens die wachsende Gelassenheit gegenüber Abwärtsrisiken. Weshalb waren Anleger im November aber angesichts der vorhandenen Risiken so gelassen?

Nur zwei Tage nach Monatsende stand der VIX bei 17,99 Zählern und stieg damit binnen 48 Stunden um sage und schreibe 26,5% (siehe Grafik unten). Damit schloss der VIX erstmals seit Mitte Oktober über seinem gleitenden 200-Tages-Durchschnitt und ist damit auf dem besten Weg, am Monatshöchststand von 20,46 zu kratzen. Diese Entwicklung war im Wesentlichen auf enttäuschende Daten zur US-Produktionstätigkeit und einen Tweet von Präsident Trump zurückzuführen, in dem er die Möglichkeit von handelsbedingten Turbulenzen auch nach den Gesprächen zwischen den USA und China unterstrich.

Quelle: Bloomberg & RAM Active Investments

 Spekulative Short-Positionen auf den VIX schnellten auf ein Rekordniveau, worin sich ein eventuell auch über den Handelskrieg hinaus ängstlicher Markt widerspiegelte. Diese pessimistischen Einschätzungen zur Aktienvolatilität folgen der Annahme, dass sich hinter den Höhenflügen am europäischen und US-amerikanischen Aktienmarkt ein Markt verbirgt, der nun anfällig für Turbulenzen ist. Im Leitartikel des letzten Monats haben wir erörtert, dass es zahlreiche potenzielle Quellen für Volatilität gibt, angefangen von der Abschottungspolitik der USA und dem Neuland für die Zentralbanken bis hin zu einer deutlichen Verlangsamung des globalen Wachstums. Am beunruhigendsten ist aber vielleicht das Ausmaß der weltweiten Verschuldung. Die Ausfallrate in China hat bereits jetzt die letztjährige Gesamtsumme von 17,1 Mrd. USD erreicht. Dies veranschaulicht gut die angespannte Kreditsituation und den schlechten Zustand der Unternehmen. Wir bleiben bei der Portfolio-Diversifizierung kurz vor dem Jahreswechsel extrem vorsichtig. Anleger sollten sich angesichts des erneut steigenden Angstbarometers auch ihr Exposure und ihre Liquidität bewusst machen.

Comeback von Value-Aktien?

Value-Aktien halten inzwischen seit über zehn Jahren nicht mehr mit Growth-Aktien Schritt. Diese haben in den letzten Jahren nahezu jeden anderen Faktor hinter sich gelassen. Hauptgrund ist die Entwicklung der Sektoren Technologie und Kommunikationsdienstleistungen angesichts der sogenannten „FAANG“-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet). Der Growth-Stil wird in der Regel in Phasen des Wirtschaftswachstums bevorzugt, während Value am Ende einer Wachstumsperiode hoch im Kurs steht. Denn niedriger bewertete Aktien geben meistens weniger stark nach als die vergleichsweise teuren Wachstumswerte.

Was bedeutet das für unsere Strategien? Wie unsere Abbildung unten zeigt, hat unser Value-Stil in Europa von der zunehmenden Erholung des Faktors in den letzten Monaten profitiert. Da unsere ML-Strategie grundsätzlich auf Value ausgerichtet ist, hat sie ebenfalls profitiert. Schlüsselindikator ist hierbei, dass die Höhe der Deckungskäufe in zyklischen Branchen gegenüber denen in defensiven Sektoren in den vergangenen Monaten verglichen mit den letzten Jahren extrem hohe Niveaus erreicht hat. Es bleibt abzuwarten, ob Value sich in den kommenden Monaten und Quartalen weiter erholen wird.

Quelle: RAM Active Investments

Hinweis: Die Tabelle dient lediglich der Veranschaulichung. Auf der Long-Seite wird die Performance der Teilstrategien auf Basis simulierter Modellportfolios berechnet, die anhand von RAM-Aktienanlagescreenings monatlich neu gewichtet werden und möglicherweise nicht den genauen Beitrag von Strategien im echten Portfolio wiedergeben. Die Performance der Strategien wird unter Berücksichtigung ihrer langfristigen, theoretischen festen Allokation im Fonds angepasst. Performance-Angaben vor Abzug von Verwaltungs- und Performancegebühren. Die Kundenrendite verringert sich bei einer Anlage in diesen Strategien um diese Gebühren.

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